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Die "Boppard-Legende"

Vor 20 Jahren wurde der Landesliga-Aufstieg unter denkwürdigen Umständen knapp verpasst

 

Die Saison 1985/86 sollte zu einer der turbulentesten Spielzeiten in der Geschichte des SV Morbach werden.

In den drei Jahren zuvor war der SVM mit Trainer Fritz Fuchs erst durch die B-Liga, dann durch die A-Liga marschiert und hatte sich im ersten Bezirksliga-Jahr mit Platz 3 in der Spitzengruppe etabliert.

Als nun auch noch mit Rüdiger Lang und Manfred Vogt zwei offensivstarke Spieler nach Morbach kamen, waren die Erwartungen entsprechend hoch.

So wurde der SVM in der alljährlichen Vorschau des Trierischen Volkfreundes als Meisterschaftskandidat gehandelt.

 

Doch die erfolgsverwöhnte Mannschaft kam zu Beginn nicht in Tritt und erwischte einen rabenschwarzen Saisonstart. Nach einem Sieg, einem Unentschieden und gleich sechs Niederlagen fand sich die Fuchs-Elf nach 8 Spieltagen im Tabellenkeller wieder und war Träger der roten Laterne.

 

 

Was danach folgte, war die wohl größte Aufholjagd der Vereinsgeschichte und eine Serie von 25 Spielen ohne Niederlage. Mit 64 Toren stellte der SVM die beste Sturmreihe der Liga und hatte am Schluss die Meisterschaft um nur einen Punkt verpasst.

 

 

Nach Saisonschluss begann die Serie von Entscheidungsspielen. Da der SVM punktgleich mit der Reserve des FSV Salmrohr war und das bessere Torverhältnis nicht zählte, war ein Entscheidungsspiel fällig, das vor über 600 Zuschauern in Leiwen ausgetragen wurde. Nach insgesamt 120 torlosen Minuten musste das Spiel wiederholt werden.

In diesem Wiederholungsspiel, das wieder in Leiwen stattfand, stand es nach 90 Minuten wieder 0:0 und es ging erneut in die Verlängerung. Dabei gelang Andreas Kneppel vor knapp 1000 Zuschauern in der 101. Minute das viel umjubelte 1:0 und Harald Andres stellte mit seinem Tor kurz vor Spielende den 2:0-Endstand her.

Damit hatte man sich die Teilnahme an der Qualifikationsrunde zur Landesliga erspielt.

 

Im ersten Spiel konnte der SVM durch Tore von Harald Andres und Matthias Vogt den spielstarken VfL Oberbieber mit 2:1 besiegen. Doch schon in der zweiten Partie zeigte sich, dass die Aufstiegsambitionen des SVM unter keinem guten Stern standen.

Der Etatmäßige Libero und Spielführer Horst Schnell, sowie Ausnahmestürmer Rüdiger Lang, die beide vor einem Wechsel zum FC Bitburg standen, waren nach der Wechselfrist nicht mehr spielberechtigt. Warum sich nicht um eine entsprechende Ausnahmeregelung für Aufstiegsspiele bemüht wurde, steht in den Sternen...

Kurz vor dem Spiel in Steinefrenz musste auch noch Keeper Gerhard Vogt verletzt passen und so war es nicht verwunderlich, das man mit einer 1:2-Niederlage (Tor: Harald Andres) nach Hause fuhr.

 

Unnötigerweise wurde vor dem nächsten Spiel gegen Lehmen Erfolgstrainer Fritz Fuchs, der ebenfalls nach Bitburg wechselte, nach vereinsinternen Querelen von seinen Aufgaben entbunden. Trainer Werner Rosch übernahm das Team, änderte das bislang erfolgreiche Spielsystem und nahm auf einigen Positionen personelle Änderungen vor.

Trotz dieser widrigen Umstände gelang dem SVM gegen Lehmen ein Kraftakt und durch ein Tor von Harald Andres ein 1:0-Sieg was die Tabellenführung in der Qualifikationsrunde bedeutete.

 

 

Aufgrund der Tabellenkonstellation konnte man im letzten Spiel mit zwei Toren Unterschied verlieren und war dennoch in die Landesliga aufgestiegen.

Die personell geschwächte, mit einem ungewohnten System ausgestattete Mannschaft hatte ohne ihren gewohnten Trainer diesen Vorsprung jedoch schon nach wenigen Minuten durch ein Eigentor und einen zweifelhaften Elfmeter verspielt. Danach ging es Schlag auf Schlag. Gleich dreimal landete Sonntagsschüsse aus dem Bopparder Mittelfeld im Morbacher Kasten und es ging mit einem 0:5-Rückstand in die Halbzeit.

Unmittelbar nach der Pause erhöhte Boppard auf 6:0 und der Traum von der Landesliga war ausgeträumt.

 

So endete eine Riesensaison mit einer Riesenenttäuschung.

 

- Jürgen Erz -